Chronik

Chronik

Ein lustiges Volk müssen die Megesheimer schon immer gewesen sein.
Die Ältesten unter uns erinnern sich noch an die Umzüge in den 20‘er Jahren.
Diese waren aber mit Sicherheit nicht der Beginn des »Megesheimer Faschingstreibens«.
Nur lassen fehlende Aufzeichnungen und die längst verstorbenen Faschings-Aktiven
aus jenen Tagen die frühere Zeit ins Dunkel tauchen.

Früher, bis ca. 1974, waren die Faschingsumzüge jeweils am Faschingsdienstag. Grund hierfür war
das 40-Stunden-Gebet, welches vom Faschingssonntag bis Faschingsdienstag vor
ausgesetztem Allerheiligsten stattfand.Ende war damals gegen 16.00 Uhr
am Faschingsdienstag. Erst hernach durfte der Spaß beginnen.

Die ältesten Erinnerungen gehen zurück bis in das Jahr 1922.

Die Umzüge gingen in den 30er Jahren an, und zwar ganz klein, z. B. zwei Pferde,
Leiterwagen mit Musikern drauf.

Als Faschingsaktive aus jener Zeit sind überliefert:

Lang Matthias (Badlenz), hat gedichtet. Lang Karl, (sein Sohn), Seefried Josef (Feitlschneider),
N.Bahle, (Musikmeister aus Oettingen), Seefried Leopold (Lepold) hat gemalt.

Wieviel Mühe sich die Leute damals mit dem Fasching gegeben haben, zeigen die Moritaten – Tafeln
aus den Jahren 1931 bis 1935, die  wie durch ein Wunder  erhalten geblieben sind und von
Schwamm Ludwig den Faschingsfreunden übergeben wurden.

Was in den Jahren 1936 und 1937 den Stoff für das Faschingstreiben hergegeben hat,
konnte nicht mehr in Erfahrung gebracht werden.

Während des 2. Weltkrieges war auch den Megesheimern die Lust zum Feiern vergangen. Der Fasching
fand während des Krieges nicht statt. Nur die Kinder sind zum Sammeln gegangen.

Aber auch nach dem verheerenden Krieg ging es nicht gleich weiter wie früher. Viele
»tragende Säulen des Faschingstreibens« von einst sind im Krieg geblieben, andere
waren in Gefangenschaft geraten und es vergingen Jahre, bis um 1950 von der Feuerwehr
das Faschingstreiben wiederbelebt worden ist. Es waren nicht spezielle Umzüge sondern vielmehr
maskierte Gruppen, die Nachts umhergelaufen sind, meist zu Bekannten und in Wirtschaften.

Die Umzüge ,oder  besser, das Faschingstreiben fand jeweils in den Abendstunden
des Faschingsdienstag statt. Endstation war dann der Feuerwehrball im Gasthaus Trollmann.

Vom Faschingstreiben aus dem Jahre 1955 sind drei Bilder vorhanden.
Das Thema bzw. der aktuelle Anlass waren aber nicht mehr zu erfahren.

Um die Begeisterung der Megesheimer für den Fasching zu verdeutlichen,
muss noch eine andere Begebenheit aus dem Jahre 1959 erzählt werden:

Die Müller Anna hatte zwar nie aktiv bei den Umzügen mitgemacht, sie war jedoch stets mit
Rat und Tat zur Stelle, wenn es um den Fasching ging. Im Winter 58/59 wurde sie mit ihren 81 Jahren
schwer krank und wusste wohl, dass es ans Sterben ging.
Es war Faschingszeit und ihre große Sorge war,
dass wegen ihrer Beerdigung der Umzug ausfallen würde.
So war es ihr ausdrücklicher Wunsch auf dem Sterbebett:
»Wenn meine Leicht am Faschingsdienstag sein sollte, so sagt den Buben,
sie sollen ja nicht deswegen den Umzug ausfallen lassen.«
Und so kam es denn auch, am Faschingssonntag ist sie gestorben, am Faschingsdienstag
war vormittags die Beerdigung, nachmittags fand dann der Umzug statt.

Mit zu den tragenden Gestalten des Megesheimer Faschings gehörten seit der Zeit nach dem
2. Weltkrieg Lorenz Lechner und sein Cousin Josef Lechner, der Schmied.
Diese Zeit kann daher wohl auch »Aera Lechner« genannt werden.

Einen herben Rückschlag erhielt das Megesheimer Faschingstreiben am 18. März 1977, als Josef Lechner,
der Schmid, starb. Er, der mit seinem Cousin den Fasching in Megesheim so richtig in Schwung
gebracht hatte, fehlte so sehr, dass im darauffolgenden Jahr kein Umzug stattfand.

Mit den »organisierten« Umzügen ging es etwa zu Beginn der 80er Jahre los. Bilder sind aus dieser Zeit,
etwa ab 1980,reichlich vorhanden und wir wollen es nicht versäumen, einige der Bilder in dieser
Chronik nachzureichen. Vielleicht gelingt es den Bildern dann, einen Eindruck vom Zusammenhalt
eines ganzen Dorfes zu vermitteln, vom Zusammenwirken vieler Einzelner, das notwendig ist,
damit ein »kleines Dorf« wie unser Megesheim einen Fasching auf die Beine stellt,
der weit über die Grenzen des Rieses hinaus bekannt wurde.

Am 4. Januar 1987 wurde zu einer Vereinsgründungsversammlung aufgerufen. Zu dieser Versammlung
kamen 70 Personen, und es wurde der Verein »Faschingsfreunde Megesheim e.V.« gegründet.
Als 1. Vorstand wurde Lorenz Lechner gewählt, als 2. Vorstand Schneid Anton,
Kassier wurde Mayer Albert und Schriftführer Werner Fackler.

»Ho Ho Ho, Rupfido«, der Schlachtruf, der seither in der Faschingszeit immer wieder
durch die Lande hallt, wurde 1989 aus der Taufe gehoben.

Einen Tag nach Beginn des Faschings 1990, fand die jährliche Hauptversammlung statt.
Lorenz Lechner gab den Vorsitz der »Megesheimer Faschingsfreunde e.V.« ab, zugleich trat
auch Werner Fackler zurück. Somit wurde eine Neue Vorstandschaft gewählt.
1. Vorsitzender wurde Anton Schneid, 2. Vorsitzender Josef Schneider,
Kassier blieb Mayer Albert und das Amt des Schriftführers übernahm Wilfried Michel.

1990 war mit Sicherheit das bis Dato erfolgreichste Jahr für die Megesheimer Faschingsfreunde.
Es war die Premiere für unsere Garde: Die 14 Mädchen bewegten ihre Beine sehr gekonnt
nach drei verschienenen Melodien. Besonders mit ihrem aufreizenden französischen
Can- Can begeisterten sie die Zuschauer. Die ungewöhnlich warme Witterung bescherte uns
noch einen Rekord: Mehr als 9.000 Zuschauer säumten dichtgedrängt die Hauptstrasse Megesheims.

1991 war der Krieg am Golf und vor allem, die mit ihm verbundenen Gefahren für die Menschen
und die Umwelt drückte auch bei uns auf die Stimmung. Der Fasching war vorbereitet,
die neuen Gardetänze waren einstudiert, und einige Wagen warteten nur noch auf den letzten Schliff,
als der Krieg begann. Fast alle Faschingsveranstaltungen wurden abgesagt. Und diejenigen die noch
Bälle abhielten, erlebten allerhand Böses. Schweren Herzens entschlossen wir uns, auf unseren
Fasching 1991 zu verzichten. Nur der Kinderfasching fand wie gewohnt statt,
denn die Kinder können bekanntlich am allerwenigsten dafür.